Thomas Rabisch

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Die Lücke, das Fehlen, Vermissen wirkt zum Anlass der Beschäftigung der Arbeit. Die nur scheinbaren Notwendigkeiten und logischen Zusammenhänge werden offenbar und in einer bis ins Absurde führenden Weise gezeigt und durchgespielt.
Die Arbeiten von Thomas Rabisch sind einzelne – große – Gedankenstriche. Gedankenstriche mit erzählendem Gedächtnis die eben zu neuer Betrachtung führen. Er nimmt Eingriffe in Situationen vor ohne zu verletzen, schafft gleichsam Erinnerungsstützen für Vorübergehende.
Zur Arbeit in der Brandenburger Straße in Halle: In einem Spalt, einer Einbuchtung längst der Fassade, also: dort wo am Zusammenstoß zweier Häuserfassaden eine Lücke entsteht, für das Anbringen eines Fallrohrs, werden Bälle eingeklemmt.
Die verschiedenen von Thomas Rabisch gesammelten Bälle werden von ihm wohlüberlegt positioniert, wie auch im Vertrauen in die Situation verteilt. Eine Handlung wird mit Gespür verrichtet.  - Abgeseilt und verteilt.
Die zweite Arbeit in der Bernburger Straße an der Giebelwand des Hauses:
An der Brandmauer diees Hauses, welche sich an der Nordseite befindet, wurde das Gestell eines Wäschetrockners angebracht, der, leicht überdimensioniert und unzugehörig, irritiert. Er scheint einen Schatten zu werfen. Dieser Schatten aber ist gemalt und entspricht, lt. Thomas Rabisch dem gedachten Schatten, den das senkrechte Licht des Polarsterns dort erzeugen würde.
Mit dem Zusammenbringen eines Gegenstandes der Alltagswelt, dem Wäschetrockner, einem Stern und dem von ihm zu erwartenden Schatten und dem diesem Verhältnis noch zugegebenen Spiel mit im Schatten gezeigten, aber nicht vorhandenen Wäschestücken, wird das Erzählende ins Absurde geführt. Die immer weit gefassten Arbeiten Thomas Rabischs sind hier raumgreifend auf die Spitze getrieben.

Thomas Rabisch ist 1967 in Erfurt geboren, studierte bis 1995 Malerei in Halle sowie im Aufbaustudium Grafik und Bildhauerei bei Thomas Rug und Azade Köker.

Nancy Jahns